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Einleitung

Bezeichnung der Beschichtung nach ISO 4527

Die korrekte Bezeichnung der chemischen Vernickelungsbehandlung ist ein grundlegender Aspekt, um sicherzustellen, dass die aufgebrachte Beschichtung mit den funktionalen Anforderungen des Bauteils übereinstimmt.
Eine unvollständige oder mehrdeutige Spezifikation kann zu unterschiedlichen Interpretationen zwischen Konstrukteur, Werkstatt und Beschichter führen – mit dem Risiko von unzureichender Leistung, Maßproblemen oder Nichtkonformität.

Für traditionelle chemische Nickelüberzüge ist die wichtigste normative Referenz die ISO 4527, die eine standardisierte Bezeichnungsweise für autokatalytische Nickel-Phosphor-Legierungsüberzüge festlegt.

Die Norm ISO 4527

Die Norm ISO 4527 – Autokatalytische (chemische) Nickel-Phosphor-Legierungsüberzüge legt fest, wie die wesentlichen Merkmale der Behandlung eindeutig anzugeben sind, und ermöglicht eine klare Kommunikation entlang der gesamten Lieferkette.

Die Verwendung der Bezeichnung nach ISO 4527 ermöglicht die Spezifikation von:

  • dem Grundwerkstoff;
  • dem Typ des Ni–P-Überzugs (Phosphorgehalt);
  • der Mindestschichtdicke des Überzugs;
  • einer ggf. erforderlichen Wärmebehandlung nach der Abscheidung.

Die Norm ist anwendbar auf die traditionellen chemischen Nickelüberzüge der Familie NIPLATE® 500, NIPLATE® eXtreme und NIPLATE® 600 (siehe NIPLATE® Beschichtungen).

Die ISO 4527 berücksichtigt keine Verbundbeschichtungen, wie NIPLATE® 500 PTFE und NIPLATE® 600 SiC, die eine eigene technische Spezifikation erfordern.

Aufbau der Bezeichnung nach ISO 4527

Die Bezeichnung der Behandlung, die im Schriftfeld der technischen Zeichnung oder in der Lieferspezifikation anzugeben ist, ist wie folgt aufgebaut:

Autokatalytische Nickelbeschichtung ISO 4527 – a<b>/NiP(c)d[e(f)g]

Jeder Teil der Bezeichnung hat eine präzise Bedeutung.

Grundwerkstoff – a<b>/

Der erste Teil gibt den zu beschichtenden Grundwerkstoff an:

  • a ist das chemische Symbol des Hauptelements (z. B. Fe für Stähle);
  • b ist die Legierungsbezeichnung (z. B. S235JR, 18NiCrMo5).

Beispiel:

Fe<18NiCrMo5>/

Ni–P-Überzug – NiP(c)d

Dieser Teil definiert die Eigenschaften des chemischen Nickelüberzugs:

  • c gibt den nominalen Phosphorgehalt in Prozent an;
  • d gibt die Mindestschichtdicke, ausgedrückt in Mikrometern (µm), an.

Referenzen zu NIPLATE®-Überzügen:

  • NIPLATE® 500 und NIPLATE® eXtremeNiP(11)
  • NIPLATE® 600NiP(7)

Für Verbundbeschichtungen, die in der Norm nicht vorgesehen sind, können beschreibende Angaben verwendet werden, wie z. B.:

  • NiP(PTFE)
  • NiP(SiC)

Wärmebehandlung – [e(f)g]

Der letzte Teil der Bezeichnung bezieht sich auf eine ggf. erforderliche Wärmebehandlung nach der Vernickelung:

  • e gibt die Art der Behandlung an:
    • ER = Dehydrierung
    • HT = Aushärtungsbehandlung
  • f gibt die Temperatur in °C an
  • g gibt die Dauer in Stunden an

Häufige Beispiele:

  • Dehydrierung: [ER(150)4]
  • Aushärtung: [HT(260)8]
  • Aushärtung: [HT(330)4]

Vollständiges Bezeichnungsbeispiel

Eine chemische Vernickelung NIPLATE® 600, mit einer Dicke von 20–25 µm, mit Aushärtungsbehandlung bei 340 °C für 4 Stunden, auf Stahl 18NiCrMo5, kann wie folgt bezeichnet werden:

Autokatalytische Nickelbeschichtung ISO 4527 – Fe<18NiCrMo5>/NiP(7)20[HT(340)4]
Dicke: 20–25 µm – Härte: 1000 ± 50 HV

Dieses Beispiel zeigt, dass die ISO-Bezeichnung die Basis der Spezifikation darstellt, den technischen Inhalt jedoch nicht vollständig abdeckt.

PRAKTISCHE HINWEISE FÜR DIE SPEZIFIKATION AUF DER ZEICHNUNG

Die Bezeichnung nach ISO 4527 ist ein grundlegendes Werkzeug, weist jedoch einige Grenzen auf, die wichtig zu kennen sind:

  • die Norm sieht nur die Mindestschichtdicke vor und erlaubt keine Angabe einer maximalen Schichtdicke;
  • die Endhärte des Überzugs wird nicht angegeben, obwohl sie häufig eine kritische funktionale Anforderung ist;
  • für Verbundbeschichtungen (PTFE, SiC) gibt es keine normierte Bezeichnung.

Gute Praxis
Es wird empfohlen, die ISO-4527-Bezeichnung stets zu ergänzen um:

  • den geforderten Schichtdickenbereich (z. B. 20–25 µm);
  • die geforderte Härte bzw. die zugehörige Wärmebehandlung;
  • ggf. Anwendungshinweise (Grundwerkstoff, Maßvorgaben, funktionale Anforderungen).

Eine klare und vollständige Spezifikation reduziert das Risiko von Fehlinterpretationen und verbessert die Wiederholbarkeit des Endergebnisses.

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